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Advent und Feldarbeit

Autor: KatharinaDepper | Datum: 18 Dezember 2016, 20:39 | 0 Kommentare

Da heute schon der vierte Advent ist, habe ich beschlossen, einmal ein wenig über die Advents- und Vorweihnachtszeit hier zu schreiben.

Natürlich ist diese Zeit nicht annähernd so wie in Deutschland. Von den Adventsliedern in der Kirche kennen wir viele nicht, und da es immer sonnig und heiß ist, kommt natürlich auch nicht die gewohnte, gemütliche Weihnachtsstimmung auf. Die Weihnachtslieder, die ab und zu im Geschäft gegenüber des Ceproded-Geländes gespielt werden, und die wir im Chor und in der Schule singen, sind neben den allgemeinen Vorbereitungen auf das Weihnachtsfest (Yam für Fufu kaufen, Kleid schneidern lassen…), eigentlich die einzigen Weihnachtsvorboten. Sehr schlimm finde ich das nicht, da ich ja auch hier bin, um diese Zeit einmal anders zu erleben, und ich finde es auch sehr spannend. Dennoch haben Svenja und ich beschlossen, uns die Wochen vor Weihnachten ein bisschen gemütlich zu machen und haben, sehr zur Freude aller Chormitglieder, schon des Öfteren Kekse und Plätzchen gebacken – eine Tradition, die man hier nicht kennt. Außerdem haben wir mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln (Papiersterne und Teelichter) angefangen, unsere Wohnung ein bisschen zu schmücken und genießen die Adventszeit sehr. Trotz der Unterschiede zu der deutschen Vorweihnachtszeit (oder vielleicht gerade deswegen) wird mir hier das Warten auf Weihnachten ganz anders bewusst, und ich genieße jeden Tag. Besonders schön finde ich es, wenn die Schüler oder unsere Freunde nach Weihnachten in Deutschland fragen, und wir uns gegenseitig erzählen können, wie wir „la fête“ erleben und feiern. Ich freue mich schon jetzt auf das Weihnachtsfest und alle damit verbundenen neuen Erfahrungen.

 

Ein anderes Thema, das nicht wirklich zur Adventszeit passt, ist die Feldarbeit. Obwohl das zwei sehr unterschiedliche Themen für einen Eintrag sind, möchte ich hier gerne davon schreiben.

In der letzten Zeit haben Svenja und ich öfter auf dem Feld mitgearbeitet. Die Felder hier darf man sich nicht so vorstellen, wie man sie aus Deutschland kennt. Als wir das erste Mal mit Kekeli auf dem Feld waren, dachte ich „Wow, ist das groß! Wie sollen wir das denn alles schaffen?“, aber dann hat sich herausgestellt, dass die große Fläche, die da vor uns lag, viele verschiedene kleine Felder waren. Die Grenzen werden durch schmale Trampelpfade zwischen den Ackerfurchen, durch Bäume und Büsche festgemacht. Ein Feld ist selten größer als 50 mal 100 Meter, und das aus dem einfachen Grund, dass man alles mit der Hand machen muss: Säen, Unkraut spritzen, ernten. Und danach geht es ja auch noch weiter…

Mit Kekeli haben wir Bohnen geerntet, was sehr anstrengend ist, da man gebückt stehend die Schoten von den Pflanzen abpflücken muss. Alberts Familie hat dieses Jahr auch Bohnen angepflanzt, und dort haben wir bei der weiteren Verarbeitung geholfen: die Bohnen werden zuerst mit Stöcken aus ihren Hülsen gedroschen, anschließend wird alles gesiebt, um die Bohnen von dem Rest zu trennen, und bevor man sie dann zubereiten kann, muss man alle noch sortieren und die guten Bohnen von den schlechten trennen. Eine langwierige und mühselige Arbeit, aber da Bohnen in diesem Jahr wegen der schlechten Ernten sehr teuer sind, ist der eigene Anbau für viele Familien die bessere Lösung.

Zweimal waren wir auch bei der Sorgeau-Ernte dabei. Sorgeau ist ein weizenähnliches Getreide, das an drei bis vier Meter hohen Stauden wächst. Diese werden zuerst (von Hand, mit der Machete) gemäht, bevor die Ähren abgeschnitten werden. Diese wirft man auf große Haufen, um sie später besser einsammeln zu können. Während man also zwischen den umgemähten Stängeln herumstapft, muss man sehr aufpassen, nicht über die Stoppeln oder Erdhügel zu stolpern, die einem die Arbeit erschweren und die mich jedes Mal daran erinnern, dass wir zugesagt haben, im Frühjahr zusammen zu säen… Wie das bei der trockenen Erde gut funktionieren soll bzw wer diese großen Flächen ohne Maschinen umgraben soll ist mir bis jetzt noch unklar.

Nach der Ernte wird das Sorgeau ein paar Tage lang an der Sonne getrocknet, bevor es, ebenfalls von Hand, gedroschen wird. Das Getreide, das herausgeschlagen wird, wird entweder gemahlen oder für das „Lokalbier“ verwendet, das es hier überall zu kaufen gibt. Insgesamt ist das Dreschen die anstrengendste Arbeit, durch die Svenja und ich uns sofort ein paar Blasen an den Händen eingefangen haben. Abgesehen davon macht mir diese Arbeit aber großen Spaß. Zum einen können wir so etwas mit Alberts Familie unternehmen und nehmen ihnen ein wenig Arbeit ab, zum anderen finde ich es sehr interessant, mal in einem ganz anderen Bereich zu arbeiten. Zudem lerne ich dabei viel. Hier haben zum Beispiel fast alle Familien ein paar kleine Felder, um sich ernähren zu können. Das, was nicht für den Familienbedarf benötigt wird, wird auf dem Markt verkauft und bringt den Familien zusätzlichen Gewinn. Aber auch anders kann ich hier noch sehr viel lernen: egal, wie weit man mit der Arbeit auf dem eigenen Feld ist – ist der Nachbar aus irgendeinem Grund alleine oder schafft seine Arbeit nicht, weil seine Ernte durch den nächsten Regen beschädigt werden würde, ist es ganz selbstverständlich, ihm zuerst zu helfen und danach mit dem eigenen Feld weiter zu machen. Es arbeitet auch nie nur eine Familie auf dem eigenen Feld, immer wird einem von Freunden oder Nachbarn geholfen, und genauso hilft man ihnen dann auch bei ihrer Arbeit. Diese Gemeinschaft finde ich sehr schön.

Insgesamt mache ich die Feldarbeit sehr gerne. Ich bin danach zwar immer sehr kaputt, aber es macht auch großen Spaß und ist, obwohl ich meinen alltäglichen Beschäftigungen sehr gerne nachgehe, eine sehr interessante Abwechslung.

 

Das war es erstmal von mir, ich wünsche euch allen eine schöne Adventszeit!

Eure Katharina

  

 

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