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Weihnachten und Silvester

Autor: KatharinaDepper | Datum: 18 Januar 2017, 23:12 | 0 Kommentare

Da viele schon nachgefragt haben, kommt hier also endlich mein Eintrag zu meinem Weihnachtsfest hier in Togo und zu Silvester.

 

In der Woche vor Weihnachten wurden am College die „Compositions“ geschrieben, die mit den Klassenarbeiten in Deutschland vergleichbar sind und einmal pro Trimester in fast jedem Fach geschrieben werden. In der letzten Schulwoche habe ich also nur Aufsicht geführt und dabei die Schüler ein wenig bemitleidet, weil sie nicht nur jeden Tag eine, sondern gleich zwei oder drei Arbeiten schreiben mussten. Meistens bin ich mit einem anderen Lehrer mitgegangen, und konnte so sehen, wie unterschiedlich streng meine Kollegen mit dem Abgucken und Spicken umgehen. Einmal wurde mir auch eine Klasse allein zugeteilt, die sogar erstaunlich brav war.

Bevor dann am 24. Dezember die Ferien angefangen haben, gab es noch eine kleine Weihnachtsfeier mit den Kollegen, die ich sehr schön fand, da Svenja und ich uns sehr gut mit unseren Kollegen verstehen und viel Spaß mit ihnen haben. Später sind Svenja und ich noch einmal zur Schule gegangen, um uns ein Fußballspiel anzusehen, aber statt eines richtigen „Matchs“ war auf dem Schulhof eher eine Art große Party, bei der die Schüler Böller angezündet, Fußball und andere Spiele gespielt und sich überwiegend nur ausgelassen gefreut haben, dass die Ferien begonnen hatten.

 

Am Samstag, den 24., war überwiegend alles ganz normal. Vormittags waren wir auf dem Markt, und abgesehen von Weihnachtsmannmützen und glitzernden Girlanden gab es keine Unterschiede zu einem ganz normalen anderen Tag. Nach dem Einkauf sind Svenja und ich zur Familie des Inspecteurs gegangen, um ihnen ein paar Weihnachtskekse und einen Stern zu schenken. Damit wollten wir uns auch für die Papayas, die wir oft von der Familie geschenkt bekommen, bedanken. Mit der riesengroßen Freude und Begeisterung, mit der unsere kleinen Geschenke entgegengenommen wurden, hatte ich aber überhaupt nicht gerechnet. Als Dankeschön haben wir Wein und Stoff geschenkt bekommen, und diesmal waren wir es, die sich sehr gefreut haben.

Später am Abend haben wir auch Alberts Familie kleine Geschenke gebracht, bevor wir zum Gottesdienst gegangen sind. Da uns schon vorher erzählt worden war, dass eigentlich der 25. Dezember der Tag ist, an dem am Meisten gefeiert wird, habe ich von dem Gottesdienst nicht viel erwartet. Schließlich war ich aber doch überrascht, dass es sich dabei um einen Gottesdienst für die Kinder handelte. Das Ganze war sehr chaotisch, da bestimmt über 60 Kinder durch die Kirche gewuselt sind, und leider waren auch nicht sehr viele andere Gottesdienstbesucher da. Die Kinder haben Gedichte und Gebete aufgesagt, Lieder und Bibelstellen vorgetragen, getanzt und auch ein Krippenspiel vorgeführt – da aber alles auf Ewe war, konnte ich nichts verstehen. Nur die Weihnachtslieder haben mir ein wenig gezeigt, dass Heiligabend war. Insgesamt war es aber eine so schöne, festliche Atmosphäre, und die Kinder waren so stolz auf ihre Leistungen, dass ich es überhaupt nicht schlimm fand, dass alles anders war, als ich es gewohnt war.

Nach dem Gottesdienst gab es eine Feier mit dem Großen Chor und dem Jugendchor. Erst wurden Unmengen an Fufu gestampft (ich bewundere all die, die das länger als fünf Minuten aushalten) und die Soße gekocht, dann haben wir zusammen gegessen und anschließend getanzt und gesungen. Auch wenn das ein ganz anderer Heiligabend war, als ich bisher jemals erlebt habe, war es doch wunderschön. Im Jugendchor haben Svenja und ich schon viele Freunde, und es hat großen Spaß gemacht, mit ihnen zu tanzen, zu singen, sich zu unterhalten und Spaß zu haben. Um ein Uhr nachts war die Feier zu ende, und obwohl uns angekündigt worden war, dass bis um vier oder fünf Uhr früh getanzt werden würde, war es doch nicht so schlimm, schon nach Hause zu gehen, weil alle am nächsten Tag im Gottesdienst singen mussten.

Am Sonntag, den 25. Dezember, gab es erst einen schönen, langen Festgottesdienst, bei dem ich immerhin die Weihnachtsgeschichte und ein paar Gebete verstanden habe. Vor dem Gottesdienst haben wir uns um sechs Uhr früh bei unserem Chorleiter und Freund Kekeli getroffen, um Fufu zu stampfen und zum Frühstück zu essen, was eine interessante Erfahrung war, und natürlich sehr lecker. Nach der Kirche sind wir wieder zu Kekeli gegangen und haben dort gegessen und den Nachmittag verbracht. Abends wollten wir uns mit einem Kollegen treffen, der uns zeigen wollte, wo und wie man Weihnachten in Notsé auf öffentlichen Plätzen feiert, aber daraus ist kurzfristig nichts geworden, sodass wir den Abend auch bei Kekeli verbracht haben.

Abgesehen von den Unmengen an leckerem Essen, die an Weihnachten verdrückt wurden, war es nicht viel anders als an anderen Tagen: viele haben sowohl Samstag als auch Sonntag gearbeitet, und dafür, dass die „Fete“ so groß angekündigt wurde, war ich ein wenig überrascht davon, wie wenige Weihnachten wirklich gefeiert haben, und für viele war der Gottesdienst der Höhepunkt des Weihnachtsfestes.

Am 26. war hier wieder ein ganz normaler Arbeitstag. Da wir Weihnachten nicht mit Albert und seiner Familie gefeiert haben, haben wir den Montag zusammen verbracht und einen Ausflug zum Staudamm von Notsé gemacht. Beim Staudamm haben wir zusammen einen Spaziergang gemacht, und anschließend eine kleine Bootstour auf dem See. Die Natur dort war wunderschön, und wir haben viele Vögel und Libellen gesehen. Für die Kinder war es sehr aufregend, in einem Boot zu fahren, und ich habe mich sehr gefreut, einmal etwas ganz Anderes zu sehen. Außerdem war es überhaupt nicht heiß, sodass der ganze Tag sehr entspannt war. Später haben wir noch bei Albert gegessen, und da er unbedingt lernen wollte, wie es geht, habe ich ihm beigebracht, Weihnachtssterne zu falten. Den ganzen Tag habe ich sehr genossen, da es einem Familienfest, wie ich es aus Deutschland kenne, am Nächsten kam.

Vom 29. auf den 30. hatten wir Besuch von zwei deutschen Freiwilligen, die in der Nähe von Kpalimé arbeiten. Da wir sonst keine Freiwilligen in Togo kennen, war es sehr spannend, sich einmal auszutauschen, und wir haben bis spät in die Nacht zusammengesessen und geredet. Am nächsten Tag haben wir noch zusammen gefrühstückt, bevor die Beiden weiter nach Lomé gefahren sind.

Die ganze Woche über hatten wir viele Proben mit den beiden Chören, da am 30. ein Wettbewerb zwischen allen Chören unserer Kirche stattfinden sollte. Als es dann soweit war, war ich doch ziemlich aufgeregt, da fast alle Lieder auf Ewe waren und auch das Tanzen und die Choreografien bewertet wurden. Vor der Competition gab es einen Gottesdienst. Im Anschluss daran wurde die Reihenfolge ausgelost, und dann wurde gesungen. Alle Chöre mussten „Stille Nacht, heilige Nacht“ auf Ewe singen und hatten sonst noch 10 Minuten Zeit, um andere Stücke vorzutragen. Nachdem alle Chöre vorgesungen hatten, hat die Jury über die Plätze beraten, und diese Zeit wurde mit viel Singen und Tanzen überbrückt. Ich hatte eigentlich gedacht, dass die beiden Chöre eher einen Nachteil durch uns hätten, weil wir weder richtig tanzen noch auf Ewe singen konnten, aber anscheinend haben sich die vielen Extraproben gelohnt: wir sind mit dem Großen Chor Dritter und mit dem Jugendchor sogar Erster geworden, und darüber haben wir uns alle riesig gefreut! Obwohl es sehr lange gedauert hat, war es ein toller Abend, und ich war wieder einmal froh, in den beiden Chören mitzusingen.

Silvester war eigentlich ein Tag wie jeder anderer auch. Wir haben ihn mit Kekeli und seiner Frau Essoninam verbracht, bevor wir um zehn Uhr abends in den Gottesdienst gegangen sind. Dieser hat bis ein Uhr nachts gedauert, sodass man vom Jahreswechsel, abgesehen von ein paar Böllern vor der Kirche, nicht wirklich etwas mitbekommen hat.

An Neujahr war wieder ein sehr langer Gottesdienst, was mir wieder gezeigt hat, dass für viele Menschen hier Silvester und Neujahr bedeutendere Feste sind als Weihnachten. Die Schneiderin, bei der Svenja und ich immer unsere Kleider schneidern lassen, hat zum Beispiel erst an Neujahr Urlaub gemacht und vorher die ganze Zeit durchgearbeitet, da Viele neue Kleider zu Neujahr haben wollten. Nach dem Gottesdienst haben wir bei Stefan Fufu gegessen. Stefan und seine Schwestern Serafina und Brigitte sind im Jugendchor und gute Freunde von uns, und es war sehr schön, bei ihnen eingeladen zu sein. Anschließend haben wir noch den Grundschuldirektor, Kekeli und die Präsidentin des Jugendchores besucht, bevor wir nach Hause gegangen sind, um den Abend mit Albert und seiner Familie zu verbringen.

Da wir sehr viel unternommen haben, waren die Feiertage ein wenig anstrengend, aber ich habe es auch sehr genossen, Weihachten und Silvester einmal ganz anders zu erleben. Mit all den lieben Leuten und Freunden um mich herum habe ich mich sehr wohl gefühlt, und auch wenn ich überrascht war, wie „unspektakulär“ Weihnachten war, nachdem alle es so groß angekündigt hatten, habe ich mich über jede neue Erfahrung (Fufustampfen im Dunkeln, Krippenspiel auf Ewe) gefreut.

 

Leider bin ich pünktlich zum Schulstart krank geworden. Was der eine Arzt für „ein bisschen Malaria“ gehalten hat, hat sich im zweiten Bluttest nicht bestätigt und sich schließlich, ohne Diagnose, auf zwei Wochen Dauerschlaf ausgedehnt. Zum Glück bin ich aber nun wieder ganz gesund und kann seit Montag wieder arbeiten. Es war sehr schön, dass sich alle Schüler gefreut haben, mich wiederzusehen, und ich bin auch wirklich froh, endlich wieder arbeiten zu können.

Ansonsten gibt es nicht viel Neues zu berichten. Ich habe gelernt, Wassereimer auf dem Kopf zu transportieren, was einfacher geht, als ich erwartet hatte, und gerade jetzt, da das Wasser mal wieder abgestellt wurde, sehr praktisch ist. Außerdem kühlt es hier momentan nachts durch den Wind, der aus der Sahara kommt, erstaunlich viel ab: bei 22 Grad schlafe ich mit zwei Decken und gehe mit Jacke zum Chor, da es mir sonst zu kalt ist.

Sonst geht es mir aber wunderbar hier. Und ich freue mich immer über Mails, Kommentare und Nachrichten aus dem kalten Deutschland :-)

 

Liebe Grüße aus Togo,

Eure Katharina

  

 

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